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Die Gelsenkirchener Künstlerin Barbara Ring malt, druckt, schreibt und schafft Skulpturen
Barbara Ring erzählt Geschichten! Ihre Helden sind Piratenkinder, böse Mädchen, Königinnen und Könige. Ihre Figuren sind allerdings keine Helden für einen Hollywood-Streifen, eher für einen Experimentalfilm. Sie haben etwas Skurriles, Übertriebenes. Sie weichen von der Norm ab. Geschichten erzählt sie seit sie sich künstlerisch betätigt – auf Leinwand, in Bronze, in Gips und auf Papier. Jetzt ist ihr erster Textband mit Kurzgeschichten erschienen, in denen sie ihre Figuren sprechen lässt.

Wie ihre Bilder und Skulpturen sind die Texte ein Plädoyer gegen die „stetig wachsende Konfektionierung unseres Alltagslebens, einer zunehmenden Normierung von Äußerlichkeiten und die damit einhergehende emotionale Unberührtheit...” In Ihrer Geschichte „Piratenkind” erzählt sie von einem Mädchen, das durch die Maschen einer zukünftigen Genoptimierung rutscht, einem unangepassten Menschen inmitten biologischer und gesellschaftlicher Gleichschaltung. Ihre Figur nennt sie „Bella” oder „B”. Sie schreibt: „Sobald B lesen konnte suchte sie sich Bücher, die mit Andersartigkeit zu tun hatten. Irgendwann hatte sie dann entdeckt, dass Ernestine noch einige Bücher von Autoren auf Lager hatte, die vor allem über merkwürdige, skurrile, liebenswerte Figuren schrieben. Eines trug sogar den Titel - Irgendwie anders -...”
Barbara Ring studierte Grafik und Malerei an der Kunstakademie (IBKK) in Bochum. Ein Schwerpunkt der Ausbildung war Akt- und Aquarellmalerei bei Professor Bruno Konrad. Sie studierte freie Malerei bei Professor Qi Yang und war Mitglied der Meisterklasse von Helmut Jöcken. Im Anschluss an ihr Studium absolvierte sie eine grafische Ausbildung bei dem Krefelder Grafiker Ferdinand Bahnen. „Hier habe ich viele meiner handwerklichen Fähigkeiten erlernt”, sagt die Künstlerin. „Ferdinand Bahnen war ein Handwerker alter Schule, der sogar seine Druckmaschinen selber gebaut hat.” Auf Grundlage dieser soliden künstlerischen Ausbildung begann sie relativ früh freischaffend zu arbeiten. Seit 2003 ist sie Mitglied des Bundes Gelsenkirchener Künstler (BGK) und seit diesem Jahr Mitglied des BBK (Bundesverband Bildender Künstler) Ruhrgebiet.
Ihre kleinformatigen Kunstwerke entstehen zum großen Teil in einem Atelierraum in der Zeppelinallee. „Größere Formate erstelle ich allerdings in einem externen Atelier, dass ich mir mit meiner Künstlerkollegin Evelyn Krick teile. Das ehemalige Ladenlokal nutzen wir im „Schichtbetrieb”, so können wir beide in Ruhe arbeiten”, erklärt Ring. „Als Freischaffende muss ich mich um viele Dinge selber kümmern, die nicht direkt mit Kunst zu tun haben. Manche zeitraubenden Arbeiten delegiere ich allerdings auch. So gieße ich zum Beispiel nur die ersten Stücke einer Figurenserie selber. Ich muss nicht alle 20 oder 30 Figuren selber „produzieren”.
Barbara Rings Kunstwerke sind zugleich abstrakt und figurativ. Die meisten ihrer Bilder und Objekte stellen erkennbare Lebewesen dar, die allerdings verfremdet und mit abstrakten Elementen kombiniert werden. Dabei übertreibt sie die Eigenheiten ihrer „Modelle” gerne manchmal bis zur Karikatur. „Ich liebe es, widersprüchliche Emotionen darzustellen”, erklärt sie. „Bei den meisten Figuren überwiegen zwar bestimmte Emotionen, die sind aber nie ausschließlich vorhanden. Zu eindeutige Bilder wären flach und eindimensional. Ich liebe die Mehrdeutigkeit. Sie gibt zudem auch dem Betrachter Möglichkeiten zu interpretieren. Natürlich können manche Menschen damit nichts anfangen, die gehören dann eben nicht zu meiner Zielgruppe.” Kunst ist für Barbara Ring immer Spiegel des Künstlers und des Betrachters also nie eindeutig. Trotzdem kommen manchmal Menschen zu ihr, die ihr erklären wollen, was sie EIGENTLICH mit ihrem Kunstwerk gemeint hat. „Denen sage ich dann, dass ist IHRE Interpretation, aber es gibt nicht nur diese EINE...”
Wenn die Künstlerin ein Bild malt, beginnt sie damit, abstrakte Farbstrukturen auf die Leinwand aufzutragen. Im Extremfall ist das sogar nur eine schwarze Tuschefläche. Dann verändert sie die Farben so lange, bis „spannende Strukturen” entstehen, mit denen sie sich beschäftigen möchte. Wenn die Struktur „reif” ist, beginnt das Kunstwerk zu entstehen, dann schälen sich Themen und Figuren heraus. Den Titel gibt sie in der Regel erst einige Zeit später. „In dem Moment, wo ich das Bild gemalt habe, bin ich noch viel zu emotional befangen”, sagt sie. Auch die Kurzgeschichten zu ihren Bildern hat sie erst mit gehörigem zeitlichem Abstand geschrieben. Bei Drucken und Skulpturen geht sie ähnlich vor. „Im Grunde ist das Material relativ egal”, sagt Barbara Ring. Sie will sich nicht auf eine Technik beschränken. „Ich bin nicht nur Malerin, sondern auch Bildhauerin, Grafikerin und jetzt auch Autorin”, erklärt sie. „Eine gute Idee lässt sich über unterschiedlichste Medien transportieren.” Entscheidend ist, dass ihre Kunstwerke sie selber widerspiegeln. „Ich kann nur dann gute Kunst machen, wenn ich etwas tue, das mich reizt.” Auftragsarbeiten kann sie daher nur annehmen, wenn der Auftraggeber bereit ist, ihr die größtmögliche Freiheit zu lassen. „Konzeptionell kopflastige Kunst respektiere ich, aber es ist nicht mein Ding. Mir geht es um Emotionalität und Ausdruck”, fügt Barbara Ring hinzu.
Im Rahmen des Kulturhauptstadtprojekts „Starke Orte” sind Bilder der Künstlerin im Großformat am Kohlebunker des ehemaligen Schalker Vereins und im Luftschutzbunker Herne-Sodingen zu sehen. Für Dezember 2010 ist in der Zeche Zollverein eine Ausstellung zusammen mit der Essener Künstlerin Kathrin Blomeier geplant. Den Kurzgeschichtenband „Mein böses Mädchen” kann man bei Barbara Ring direkt erwerben. Weitere Informationen zu Barbara Ring bekommt man unter www.barbararing.de.
Telefonisch ist sie unter 0209-1 77 88 20 zu erreichen.
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