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Aktueller Monat: Mai 2012

Applaus für den Bravo

Fiat hat einen sehr gelungenen Golf-Konkurrenten entwickelt

Das erste Mal habe ich im Fiat Bravo gesessen als unser „Dienst-Opel” in der Werkstatt war und wir bei Doerpinghaus auf die Schnelle „nur” einen Bravo bekommen konnten. „Egal, Hauptsache fährt”, habe ich gesagt und mir den Schlüssel geben lassen. Als ich dann vor unserem Leihwagen stand, war ich angenehm überrascht.

Fiat Bravo
Ein stattlicher Kompakter, ähnlich groß wie ein Golf oder ein Astra und mindestens so schick. Innenraum, Verarbeitung und Fahrleistung fand ich auf Anhieb überzeugend. Als ich den Bravo nach einem knappen Tag wieder gegen unseren Vectra Kombi eintauschen durfte, war ich sogar ein bisschen traurig. Diesen Wagen hätte ich gerne noch ein paar Tage länger gefahren. Umso größer war die Freude, als Herr Doerpinghaus zustimmte, einen Autotest mit dem Golf-Konkurrenten aus Italien durchzuführen.

Für unseren drei Tage dauernden Test bekamen wir einen Fiat Bravo 1,4 16V T-JET „Dynamic“ in dunkelgrau. Ein Fünftürer mit 120 PS (88 kW) und 197 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ausgestattet mit einigen Extras wie Navigation, Sitzheizung, Zwei-Zonen-Klimaanlage, Lederlenkrad und getönten Fensterscheiben hinten. Allerdings verfügt der Fiat Bravo bereits serienmäßig über eine sehr gute Ausstattung - vor allem im Bereich Sicherheit: Über ABS, ESP, sieben Airbags inklusive Knieairbag und Seitenaufprallschutz verfügt bereits die Basisversion „Active”. Auch „nackt” ist der Bravo schon ein komfortables Fahrzeug.

Unser Testfahrzeug war bei weitem nicht nackt. Und damit meine ich nicht nur das gute Ausstattungsniveau, sondern vor allem das sehr gelungene Design. Die sanft gerundete Frontpartie mit dem klassischen Fiat-Logo im filigranen Kühlergrill, die kompakte und doch elegante Silhouette, das muskulös wirkende Heck – Da muss sich der Bravo wahrlich nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Und das harmonische Design setzt sich im Innenraum nahtlos fort. Tacho und Drehzahlmesser, Lüftungsklappen, Navi und andere Bedienelemente sind in eine leicht geschwungene Armaturenabdeckung integriert, die aus einem fein strukturierten mittelgrauen Kunststoff besteht, während der Rest der Innenverkleidung anthrazit gefärbt ist. Eine ähnliche Farbe haben die Sitzpolster. Die gerillten Sitzflächen sind etwas heller. Trotz der vielen Grautöne wirkt der Innenraum nicht langweilig, sondern angenehm zurückhaltend. Sozusagen italienisches Understatement.

Und der Fiat Bravo sieht nicht nur schön aus, er bietet auch ein angenehmes Fahrgefühl. Im Leerlauf brummte der 120 PS-Benziner Motor unseres Testfahrzeugs kaum hörbar, und auch während der Fahrt blieb der Geräuschpegel im Fahrzeug angenehm gering. Wie beim Fiat 500 muss man allerdings relativ früh in den jeweils höheren Gang schalten, um die optimale Laufruhe zu erzielen. Die 120 PS machen den Bravo zu einem flotten Fahrzeug mit guten Beschleunigungswerten, nach Werksangabe 9,6 Sekunden von 0 auf 100. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 140 bis 160 km/h fährt sich der Wagen sehr angenehm. Jenseits der 180 merkt man dann schon, dass man nicht in einem Oberklassefahrzeug sitzt. Die Schaltung ist leichtgängig und trotzdem präzise, die Lenkung straff, die Federung relativ hart aber nicht unkomfortabel. Der Kraftstoffverbrauch unserer 120 PS-Benziner-Version liegt laut Fiat durchschnittlich bei nur 6,2 Liter Super (5,3 Autobahn und 8,1 innerstädtisch).

Auch als 1,90 Meter-Mann habe ich auf dem Fahrersitz des Fiat Bravo sehr bequem gesessen. Die kompakten Innenraumabmessungen geben ein gutes Raumgefühl - nicht zu groß, nicht zu klein. Im Fond des Fünftürers sitzt es sich nicht ganz so bequem, zumindest wenn Fahrer und Beifahrer meine Größe haben. Dabei ist die Kopffreiheit auch hinten ausreichend. Für eine längere Fahrt wäre mir die Beinfreiheit bei weit nach hinten gestellten Vordersitzen allerdings zu gering. Das Kofferraumvolumen ist mit 400 Litern großzügig bemessen. Mit umgeklappter Rückbank steigt das Volumen auf über 1.000 Liter. Ein Nachteil im Fiat Bravo Raumkonzept ist, dass die Übersichtlichkeit nach hinten und zu den Seiten etwas besser sein könnte. Das ist der Preis für die schnittige Karosserie und die relativ kleine Rückscheibe. Die Armaturen sind gut ablesbar, die Bedienelemente weitgehend selbsterklärend und einfach zu handhaben. Lüftung und Klimaanlage funktionieren gut. Nur mit dem eingebauten Navigationsgerät ist Fiat leider kein großer Wurf gelungen.

Fazit: Mit dem Bravo hat Fiat ein sehr schönes Auto gebaut, dass den Vergleich mit dem Golf und anderen Platzhirschen der Kompaktklasse nicht scheuen muss. Design und Fahrgefühl sind hervorragend. Ergonomie und Bedienbarkeit gut, aber an einigen Punkten noch verbesserungsfähig.

Unser Testfahrzeug kostet in der Ausstattungsvariante „Dynamic” ab 19.590,- Euro. Die günstigste Version (1,4 Liter Maschine mit 90 PS) ist ab 16.290,- Euro erhältlich. Möchte man einen Fiat Bravo mit 2 Liter Dieselmotor, 165 PS und Sportausstattung fahren, muss man mindestens 25.290,- Euro auf den Tisch legen.

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