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Aktueller Monat: Mai 2012

Halfmannshof kämpft ums Überleben

Rat will am 20. Oktober Zukunftskonzept für die Künstlersiedlung verabschieden

Der Rat der Stadt Gelsenkirchen will am 20. Oktober ein Zukunftskonzept für die Künstlersiedlung Halfmannshof verabschieden. Zusammen mit der Gelsenkirchener Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft ist eine komplette Neugestaltung der Künstlersiedlung geplant. Die Halfmannshöfer Künstler kämpfen für ihr Mitspracherecht.

Am 9. Mai 2011 erklärten vier Künstler ihren Austritt aus dem Trägerverein der Künstlersiedlung Halfmannshof. Sie begründeten ihren Schritt mit Differenzen bezüglich der Finanzierung der vom Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte (ISG) geplanten Ausstellung über den Halfmannshof und das Dritte Reich.Ausgetreten waren die beiden Vereinsvorsitzenden Katja Langer und Karin Hilmar, deren Mann Jiri Hilmar und der Fotograf Pedro Malinowski. Mit Langer, Malinowski und Karin Hilmar haben zugleich die drei jüngsten Halfmannshöfer den traditionsreichen Künstlerverein verlassen. Aber damit ist der Exodus noch nicht zu Ende. Inzwischen haben sich auch der Kunstbuchbinder Dietmar Klein und der Maler und Karikaturist Herbert Daniel vom gemeinsamen Projekt verabschiedet. Klein ist ebenfalls aus dem Verein ausgetreten, Daniel ist zwar noch Vereinsmitglied, aber aus seinem Atelier im Halfmannshof ausgezogen.

Und damit nicht genug. Die fünf verbleibenden Halfmannshöfer – Barbara Echelmeyer, Helmuth Kloth, Rolf John, Wolfgang Prager und Heiner Szamida – müssen jetzt auch noch mit der Stadt Gelsenkirchen und ihrem Vermieter, der Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (ggw), um die Existenz der traditionsreichen Künstlersiedlung kämpfen. Die ggw hatte die Liegenschaft von der Stadt übernommen und plant inzwischen, den Halfmannshof grundlegend umzugestalten. Architekten wurden beauftragt, moderne Atelierhäuser zu entwerfen. Dazu bot die ggw den einzelnen Künstlern eine Aufhebung ihrer Mietverträge an. Während der Bauphase müssten sie ihre Ateliers für zwei bis drei Jahre verlassen. Es sieht ganz so aus, als ob die älteste deutsche Künstlersiedlung in ein schickes Villengebiet umgewandelt werden soll.

Auch die Stadt hält es „aus wirtschaftlichen, baulichen und konzeptionellen Gründen“ für notwendig, den Halfmannshof neu „zu organisieren und zu strukturieren“. Bereits am 20. Oktober soll der Gelsenkirchener Stadtrat abschließend über ein „Zukunftskonzept Künstlersiedlung Halfmannshof“ entscheiden. – Die Hauptbetroffenen, die Halfmannshöfer Künstler, wurden von Kulturdezernent Dr. Volker Bandelow für heute Abend eingeladen, um sie „persönlich aus erster Hand“ über das Zukunftskonzept zu informieren und ihnen Gelegenheit zu Rückfragen und Stellungnahmen zu geben. Gleichzeitig teilt man den Künstlern mit, dass in dem zur Zeit unbesetzten Daniel-Atelier demnächst ein Gastkünstler aus Schweden logieren soll. Der Künstlerverein wird von auch von der Stadt anscheinend nicht mehr als relevanter Akteur und Gesprächspartner angesehen. Stadt und ggw teilen den Künstlern ihre Entscheidungen mit, von Mitsprache ist nicht mehr die Rede.

Die fünf Ückendorfer Künstler denken allerdings nicht daran aufzugeben. In einem Pressetermin am Montag bekräftigte der derzeitige Vereinsvorsitzende Helmuth Kloth, dass man „knallhart kämpfen“ wolle. Den Künstlern ist bewusst, dass ihnen nur noch wenig Zeit bleibt, den Ausverkauf zu stoppen. Deshalb haben sie sich an die Presse gewandt, um so die Öffentlichkeit von ihrem Überlebenskampf zu informieren. In einem Positionspapier stellt Kloth fest, dass es in ganz Deutschland keine vergleichbare Kunst- und Kultureinrichtung gebe. Für die Stadt Gelsenkirchen sei der Halfmannshof seit seiner Entstehung immer von großer Bedeutung gewesen. „Es wäre tödlich, wenn das Kunstzentrum Halfmannshof zerstört wird“, so Kloth.

Heute Abend werden die Künstler erfahren, wie die Zukunftskonzeption von Stadt und ggw aussieht. Wir werden das Thema weiter im Blick behalten und unsere Leser aktuell informieren – hier bei BUERANER Online, in der BUERANER-Printausgabe und in GE:kult. Auch wir sehen den Halfmannshof als wichtigen Bestandteil der Gelsenkirchener Kulturlandschaft, der nicht in aller Stille in der Versenkung verschwinden sollte.

Michael Otterbein

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