DER BUERANER
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Aktueller Monat: Mai 2012

Zehn Jahre Kunststation Rheinelbe

Das Künstlerpaar Marion und Bernd Mauß

Früher war Ückendorf ein Industriestadtteil. Hier war der Hauptsitz der Gelsenkirchener Bergwerks AG, hier wurde auf Rheinelbe und Holland Kohle gefördert und an der Bochumer Straße Stahl produziert. Heute gibt es hier im Südosten Gelsenkirchens dreizehn Galerien und Künstlerateliers.

Marion MaußSo viel Kunst auf einem Fleck findet man sonst kaum irgendwo. - Eines dieser Ateliers ist die „Kunststation Rheinelbe”, in der das Künstlerehepaar Marion und Bernd Mauß lebt und arbeitet. Das Gebäude, ein ehemaliges Magazin der Zeche Rheinelbe, wurde den beiden im Jahr 2000 von einer Gelsenkirchener Stadträtin vermittelt. „Es war eine leere Halle, deren Scheiben fast alle kaputt waren”, erzählt Bernd Mauss. „Wir konnten das Gebäude samt Grundstück für einen symbolischen Preis kaufen, mussten uns aber verpflichten, die denkmalgeschützte Fassade zu erhalten. Wir sind dann ziemlich schnell eingezogen, obwohl das Gebäude innen noch total kahl war. Anfangs bestanden unsere Zimmerwände aus Umzugskartons. - Das Projekt hat uns viel Geld und Arbeit gekostet. Aber es hat sich gelohnt.”

Das sich die der Aufwand gelohnt hat, können Besucher der Kunststation Rheinelbe bestätigen. Aus dem alten Zechengebäude ist großzügiger Lebensraum geworden, der Kreativität und Wohnlichkeit ausstrahlt. Im weitläufigen Wohnzimmer schaut man bis zum weiß gestrichenen Dachfirst.
Mauß-Wohnung

In dem über fünf Meter hohen Raum wirken die großen Bücherregale fast zierlich. Durch die hohen Sprossenfenster flutet weißes Winterlicht hinein. Und vom großen Esstisch blickt man in die großzügige Küche. Natürlich ist überall Kunst. - Insgesamt bietet die Kunststation 480 Quadratmeter Platz, genug für reichlich Wohnfläche, ein großzügiges Atelier für beide Künstler und im Obergeschoss eine Ferienwohnung und zwei Gästezimmer, die über die Agentur „Zimmer im Revier” (siehe BUERANER Juli 2010) vermietet werden. Die Gästezimmer können auch in Kombination mit Ateliernutzung gebucht werden.

Streifenbild von Marion Mauß

Und was für Kunst machen die beiden? - Marion Mauß malt zur Zeit vor allem Streifen. Unterschiedliche Farben, meist horizontal übereinander, manchmal auch zu einem dschungelartigen Gitter angeordnet. Es gibt lichte, helle Farbkombinationen in Zitronengelb und Hellrosa, Schichtungen aus gelb und dunkelgrau oder auch Bilder, die nur aus Blautönen bestehen. Die Arbeiten haben Titel wie Blautief, Gelbdunkel oder Warmgelbgrau. „Das Thema dieser Arbeiten ist die Farbe,” erklärt die Künstlerin. „Ich will sehen, was die Farben miteinander tun.” Vorher hat sie viele Jahre große Porträtformate gemalt. „Aber dieses Thema hatte sich vor etwa fünfzehn Jahren erschöpft”, so die Künstlerin. - Dabei malt sie ihre Bilder eigentlich nicht, sondern spachtelt sie. Die Farben werden mit Talkum, Sand oder Asche vermischt und dann mit dem Spachtel aufgetragen. Manchmal verwendet sie die Spachtelmassen auch pur oder färbt nur Teilbereiche ein. – Mit dem Thema Vergänglichkeit befassen sich die Gießharzarbeiten der Künstlerin. Dabei konserviert Marion Mauß unterschiedliche Objekte in Polystyrolharz – zum Beispiel Blumen oder kleine Tiere, wie z.B. eine tote Maus, die ihre Katze ins Atelier gebracht hatte.

Bernd MaußTorso von Bernd MaußSeit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn schafft Bernd Mauß plastische Gebilde aus Holz und Stein. Er ist Bildhauer. Sein Lieblingsmaterial ist der Speckstein oder Steatit, der einen fettigen Glanz hat (daher der Name) und aufgrund seiner relativen Weichheit gut zu bearbeiten ist. „Bisher habe ich insgesamt 780 Speckstein-Objekte geschaffen”, sagt der Künstler. Bernd Mauß Hauptthema ist der menschliche Torso. Manche seiner Skulpturen sind auf den ersten Blick als weibliche oder männliche Körper erkennbar, manche sind stark abstrahiert und vereinfacht. Obwohl das Thema im Grunde immer dasselbe ist, gleicht kein Objekt dem anderen. Bernd Mauß Kunstwerke sind so vielfältig wie das Holz und die Steine aus denen sie entstanden sind: schwarz, weiß, grau, braun, einfarbig oder marmoriert. Manche passen in eine Hand, manche sind über einen Meter hoch.

Arbeiten mit Speckstein und Ton bringt Bernd Mauß auch gerne seinen Kursteilnehmern bei. Ab dem 8. Januar 2011 veranstalten seine Frau und er jeden Samstag ab 14 Uhr „Kreativsamstage”, an denen Marion Mauß Malerei unterrichten wird. Im März und Juni wird es jeweils einen kompletten Kreativtag geben. Das Pädagogische ist keinem der beiden fremd. Marion Mauß war jahrelang Kunst- und Mathematiklehrerin. Bernd Mauß hat Erziehungswissenschaften studiert und war Leiter des evangelischen Bildungswerkes im Stadtkirchenverband Essen. Während Ihres gesamten Berufslebens haben sich beide stets künstlerisch betätigt. Ihre erste gemeinsame Ausstellung hatten Sie bereits im Jahr 1974.

Blick ins Atelier

Bernd und Marion Mauß haben sich nie in ihrem Atelier versteckt, sonder immer aktiv am künstlerischen und gesellschaftlichen Leben teilgenommen. Seit ihrem Umzug von Essen nach Gelsenkirchen sind sie Mitglied im Bund Gelsenkirchener Künstler, dessen Vorsitzender Bernd Mauß zur Zeit ist. Beide sind Mitglied der Essener Kunstgruppe Nord (KuNo) und der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. - Das Ehepaar Mauß hat sich von Anfang an für die Entwicklung der Ückendorfer Kunstszene engagiert. Die beiden sind Mitinitiatoren der Galeriemeile Gelsenkirchen und des Kunst- und Kulturpfads Ückendorf. „Wir freuen uns, dass die Ückendorfer Künstler jetzt so gut zusammenarbeiten und Kunstinteressierte jeden Samstagnachmittag über die Galeriemeile bummeln können. Die Türen der Kunststation Rheinelbe sind dann natürlich auch geöffnet”, erklärt Marion Mauß. - „Mindestens ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit über die Stadtgrenzen hinweg. Beim Kulturhauptstadtprojekt „Starke Orte” haben die Künstlerbünde des Ruhrgebiets zum ersten Mal zusammengearbeitet. Hier hat RUHR.2010 Pionierarbeit geleistet, und wir hoffen, dass sich das ab 2011 fortsetzt.”

Mehr über die Marion und Bernd Mauß, die Kunststation Rheinelbe und die Ückendorfer Kunstszene erfährt man unter: www.kunststation-rheinelbe.de, www.galeriemeile-gelsenkirchen.de und www.bundgelsenkirchenerkuenstler.de. Telefonisch erreicht man die Kunststation unter 0209-1791699. Die Zimmervermittlung für die Ferienwohnungen (www.zimmer-im-revier.de) erreicht man unter 02323 13353.

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