Mefistofele – Höllisch gut!
Mit der äußerst gelungenen Premiere von Boitos „Faust”-Oper „Mefistofele” gab es einen vielversprechenden Start in die die Spielzeit 10/11.
Um es gleich vorweg zu nehmen, eine Geschichte mit Happyend; zumindest was das Seelenheil der Hauptakteure, Faust und Margherita angeht. Außerdem: Ein Fest für die Sinne, ein Augen- und Ohrenschmaus, den das Premierenpublikum mit anhaltendem Applaus, begeisterten Pfiffen und Bravo-Rufen feierte.
Walpurgisnacht
Das Thema ist so alt wie die Welt und dennoch immer aktuell: Laster oder Tugend, den Weg mit dem Teufel oder zu Gott gehen.
Gott selbst (der beredt schweigende Rüdiger Frank) scheint die Unterhaltung, die sein Werk ihm verschafft, zu genießen. Er wettet mit dem Teufel (Ein mit ungeheurer Präsenz und Spielfreude agierender Dong-Won Seo), dass es jenem nicht gelingen wird, des Gelehrten Fausts´ Seele zu gewinnen.
Aber zurück zum Anfang: Die Zuschauer erwartet eine „unordentliche” Bühne, auf der sie der „Erschaffung” der (Opern-) Welt beiwohnen können, während 2 stattliche Engel (Protagonisten des letzten Schindowski-Balletts „Heavy music- cool love“), lautlos hinunter schweben und sich am Aufbau beteiligen.
Ausdrucksstark: Petra Schmidt als Margherita
Und es bleibt spannend. Michael Schulzes Inszenierung von Goethes „Faust” in der selten aufgeführten Interpretation des Verdi-Zeitgenossen Arrigo Buito schlägt die Zuschauer in ihren Bann.
Mal wird die Bühne von einem Pulk nordic-walkender Osterspaziergänger gestürmt, mal ergießt sich ein Mob geiler Hexenwesen (nichts für zarte Gemüter!) aus der Unterwelt in den Raum. Dann wieder finden sich zarte, von intensivstem Ausdruck begleitete Szenen. (Petra Schmidt als ihrem Ende entgegen schreitende Margherita). Oder die Verlegenheitsneckerei des Faust, als ihm die ungeheure Tragweite des teuflischen Paktes klar wird.
Und natürlich ist der Teufel böse, stößt Rollstuhlfahrer um oder dem alten Faust zu Beginn seine Gehstöcke weg
Ray M. Wade Jun. gibt ihn kraftvoll, durch Mefistofeles Hilfe von den Gehstöcken befreit, im Ausdruck, wie man es von einem Gelehrten erwartet, etwas zurückgenommen. Aber man sieht ihm die Spielfreude an, ebenso wie dem ganzen Team.
„Wir haben ein unheimliches Glück, es macht so viel Spaß, in dieser Besetzung zu spielen“ war von einer Hauptdarstellerin bei der anschließenden Premierenfeier zu vernehmen.
Buchstäblich himmlische Gesänge füllen den Zuschauerraum ausgehend vom 2. Rang (Chor unter der Leitung von Christian Jeub) ebenso wie von der Bühne (Gelsenkirchener Kinderchor, Leitung Alfred Schulze-Aulenkamp).
Das Fundament bildet die Neue Philharmonie Westfalen, die unter der Leitung von Rasmus Baumann den Abend kraftvoll trägt.
Auch das Spannungsfeld zwischen der reduzierten Bühnenausstattung Dirk Beckers und den opulenten Kostümen von Renee Listerdal tragen wesentlich zum Gelingen der Inszenierung bei.
Auch wenn es etwas mühsam ist, die deutsche Übersetzung des italienisierten Goetheschen Welttheaters am oberen Bühnenrand zu verfolgen, unterstützt sie doch wesentlich die Orientierung im Bühnengeschehen und hilft die Flut der sich anbietenden Assoziationen zu ordnen.
Sicherlich ein Stück, das wesentlich zur guten Auslastung des MIR beitragen wird!
Überzeugend: Dong-Won Seo als Mefistofele und Rüdiger Frank als Gott
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