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Aktueller Monat: Mai 2012

Ein Italo-Amerikaner für die ganze Familie

Der Fiat Freemont bei Doerpinghaus

Bei der Marke Fiat denkt man eher an Kleinwagen, wie den berühmten 500er, und nicht an Großraum-Familienautos. Genauso ein Fahrzeug hat Fiat jetzt in sein Programm aufgenommen: den Fiat Freemont.

Fiat Freemont

Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Neue kein reinrassiger Italiener, sondern „Italo-Amerikaner”. Nach der Übernahme des Chrysler Konzerns hat Fiat begonnen, die Modellpalette der Amerikaner in sein Portfolio zu integrieren. Warum selber einen komplett neuen großen Fiat konzipieren, wenn es bei den Tochterfirmen bereits entsprechende Fahrzeuge gibt. In diesem Sinne hat Fiat den Dodge Journey für den europäischen Markt aufbereitet. Dabei haben die Turiner Entwickler sowohl am Design als auch an der Technik gearbeitet. Das Innenraumdesign wurde auf europäisches Qualitätsniveau angehoben und die amerikanischen Benzinmotoren durch zwei leistungsstarke Fiat-Dieselmotoren (140 PS und 170 PS) ersetzt. Außen entspricht der Freemont weitgehend seinem amerikanischen Vorgänger.

Für unseren Test erhielten wir einen Freemont in der gehobenen Ausstattungsvariante „Urban” mit dem 140 PS starken 2.0 16V Diesel. Gegenüber dem Standardmodell verfügt der Freemont Urban unter anderem zusätzlich über einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Parksensoren hinten und Lenkrad und Schaltknauf in Leder. Allerdings hat auch die Basisversion eine ganze Reihe Ausstattungsmerkmale, die man bei vielen anderen Marken teuer bezahlen muss. So zum Beispiel eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, die sich in der zweiten Sitzreihe separat einstellen lässt, elektrische Fensterheber vorne und hinten, ein Autoradio mit CD, MP3-Player und Touch Screen Steuerung, 17“ Leichtmetallfelgen und eine Alarmanlage. Das Ganze bietet Fiat ab 25.990,- € für die Basisversion und 27.290,- für den Freemont Urban an. Mit 170 PS Motor gibt es den Freemont ab 28.790,- €. Mit diesen Preisen ist er zwar nicht der Billigste seiner Klasse, rangiert aber weit unter dem Preisniveau fast aller vergleichbaren Familienlimousinen.

Fiat Freemont – Das ideale Familienauto

Ergebnis unserer Testfahrt war, dass sich der Freemont sowohl im Stadtverkehr als auch auf Landstraße und Autobahn angenehm fahren lässt. Sobald man sich an die etwas stramm eingestellte Kupplung gewöhnt hat, macht das 6-Gang-Getriebe keine Zicken. Der 140 PS-Motor bewegt das 2-Tonnen-Fahrzeug naturgemäß nicht so spritzig wie einen Sportwagen. Der Wagen ist aber keinesfalls untermotorisiert. Die 12,3 Sekunden von 0 auf 100 sind für ein Fahrzeug dieser Größe vollkommen OK. Der Fiat-Diesel bietet genug Power für schnelle Autobahnüberholmanöver. Um auf die Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h zu kommen, muss man das Gaspedal allerdings eine ganze Weile durchtreten. Den von Fiat angegebenen Kraftstoffverbrauch konnten wir bei unserem eintägigen Test nicht selber verifizieren. Bisherige Tests der Auto-Fachpresse ergaben aber, dass der Durchschnittsverbrauch des Freemont wirklich um die 6,4 Liter liegt. Das gilt auch für die 170 PS-Version. Angenehm ist auch, dass Fiat die Lärmdämmung auf europäisches Niveau gebracht hat. Auch bei Tempo 150 wird man nicht durch laute Motorgeräusche belästigt.

Fiat Freemont – Innenansicht

Grundsätzlich zufrieden waren wir auch mit Bequemlichkeit, Ergonomie und Innenraumdesign. Optisch macht der Freemont auch innen einen positiven Eindruck. Die Kunststoffflächen wirken wertig, Bedienelemente und Armaturen sind übersichtlich und sinnvoll angeordnet. Eine Besonderheit ist das Touchscreendisplay, mit dem sich eine Vielzahl von Funktionen, von der Klimaanlage bis zum Radio steuern lassen. Leider ließ der Radioempfang in unserem Testfahrzeug zu wünschen übrig, und das sowohl auf dem flachen Land kurz vor Holland als auch mitten in Gelsenkirchen. Auf den Vordersitzen nimmt man bequem Platz. Auch in der zweiten Reihe kann ein durchschnittlich großer Erwachsener angenehm reisen. Auf den umklappbaren Sitzen der dritten Reihe geht das aber nur, wenn die Passagiere der mittleren Reihe auf einen Teil ihrer Beinfreiheit verzichten. Der Einstieg ganz nach hinten setzt trotz der im 90-Grad-Winkel zu öffnenden Türen etwas Beweglichkeit voraus. Der Laderaum ist bei umgeklappter dritter Sitzreihe mit knapp 800 Litern reichlich dimensioniert. Klappt man auch die mittleren Sitze um, gewinnt man sogar bis zu 1.461 Liter Stauraum. Bei umgeklapptem Beifahrersitz können Gegenstände mit bis zu 4,50 m Länge verstaut werden. Als Siebensitzer hat der Freemont allerdings nur noch 167 Liter Kofferraumvolumen. Eine Urlaubsreise mit sieben Personen ist also nicht angesagt. An die Außenabmessungen muss man sich erst gewöhnen, wenn man kompaktere Fahrzeuge gewohnt ist. Bei knapp 4,89 m Länge und 1,88 m Breite muss man bei engen Parklücken schon ein bisschen kurbeln. Dafür hat man in dem „dicken Ami” seinen Sitzplatz aber auch hoch über den meisten anderen Verkehrsteilnehmern.

Unser Fazit: Mit dem Freemont bietet Fiat ein flexibles Familienauto mit SUV-Feeling zu einem sehr fairen Preis. Die Turiner Autoentwickler haben den Dodge Journey gut an europäische Qualitätsstandards angepasst. Fahrleistung, Ergonomie und Design - alles vollkommen OK. Der Fiat Freemont muss sich absolut nicht hinter seinen Mitbewerbern verstecken.

Text: Michael Otterbein
Fotos: L. Bluoss (1), Fiat (2)



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