Der Opel Insignia braucht sich in der oberen Mittelklasse nicht zu verstecken
Als der neue Insignia vor knapp zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stand sogar ein Opel Kapitän von 1958 mit im Spalier für Opels neuen Mittelklassestar. Das zeigt deutlich, mit welchem Anspruch Opel den Insignia ins Leben gerufen hat.
Nachdem im Jahr 2003 der letzte Omega vom Band gelaufen war, schien Opel sich vorerst aus dem Premiumsegment verabschiedet zu haben. Modelle wie der Kapitän fuhren in den 50er und 60er Jahren noch auf Augenhöhe mit der Stuttgarter und Münchener Konkurrenz. In den letzten Jahrzehnten galt Opel zunehmend als Hersteller kostengünstiger, vernünftiger Autos ohne großen „Sex Appeal”. Aus dieser „Langweilerecke” wollten die Rüsselsheimer endlich wieder raus und mit dem Insignia (und dem neuen Astra) ist ihnen ein großer Schritt in die richtige Richtung gelungen.
Stellt man einen Insignia neben Konkurrenzfahrzeuge derselben Klasse, braucht er sich absolut nicht zu verstecken. Seine Karosserie wirkt mindestens so flott, wie die des Audi A4 oder des 5er BMW. Ein weiterer Mitbewerber, der Ford Mondeo wirkt gegen den Insignia sogar etwas bieder. Das neue Opel-Flaggschiff ist auffällig kurvig. Sein dynamisches, an organische Formen erinnerndes Design, setzt sich deutlich von den sachlich-kantigen Formen seiner Vorgänger Vectra und Signum ab. Durch ihre sportlich-flache Silhouette wirkt die Insignia-Limousine wie ein Coupe. Der Fünftürer ist davon äußerlich kaum zu unterscheiden. Die flache Silhouette führt allerdings auch dazu, dass die Kopfhöhe im Fonds für größere Menschen nicht ideal ist. Wer den Insignia als „Familienkutsche” nutzen möchte, sollte die Kombi-Version ins Auge fassen. Auch die besticht durch sportlich-elegante Linien. Opel nennt das Fahrzeug folgerichtig nicht mehr Caravan sondern „Sports Tourer”.
Die fließenden Linien setzen sich im Innenraum im gleichen Maße fort. Die Kunststoffflächen der Armaturenabdeckung sind mit geschwungenen Holzleisten abgesetzt. Türöffner und Haltegriffe in den Seitentüren nehmen die aerodynamischen Linien der Karosserie auf. Anders als im alten Vectra gibt es im Innenraum des Insignia wenig gerade Linien. Er wirkt deutlich eleganter und hochwertiger. Mit diesem Innenraumdesign ist Opel eindeutig im Premiumsegment angekommen. Das Design nicht auf Kosten der Bedienbarkeit gehen muss, beweist der Insignia ebenfalls. Die großen Rundinstrumente lassen sich gut ablesen. Klimaanlage- und Lüftungsregler sind einfach zu bedienen. Die relativ große Anzahl von Knöpfen wirkt nur im ersten Moment etwas unübersichtlich. Für das Navi (ab der Ausstattungsvariante „Edition” serienmäßig) gibt es einen separaten Steuerknopf zwischen den Sitzen. Sobald man weiß, dass die Zieleingabe nur über die „Destination”-Taste möglich ist, lässt es sich spielend leicht bedienen. Für das Top-Modell Insignia hat Opel sogar ein Navi mit 3D-Ansicht eingebaut.
Gestuft nach Ausstattungsvarianten bietet der Insignia ein guten bis sehr gutes Komfort- und Sicherheitsniveau. Bereits in die Basisversion „Selection” sind zum Beispiel Komfortsitze für Fahrer und Beifahrer eingebaut, ab dem Modell „Edition” gibt es für den Fahrer zusätzlich eine „elektropneumatische Lendenwirbelstütze” – und wer sich für das Modell „Sport” entscheidet, bekommt einen „Premium Sportsitz” mit Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken. Legt man noch ein paar Euro drauf, bekommen Fahrer und Beifahrer Sitzheizung und der Fahrer zusätzlich eine Sitzlüftung. Die Klimaanlage funktioniert ab dem Modell „Edition” automatisch und im Top-Modell „INNOVATION” ist eine Zwei-Zonen-Klimatisierungsautomatik eingebaut. Das „Innovations-Paket”, bestehend unter anderem aus adaptivem Fahrlicht, Parkassistent, Frontkamera und FlexRide Premium-Fahrwerk, kann als Sonderausstattung zugekauft werden. Entscheidet man sich für diese High-Tech-Zusatzausstattung, bekommt man die neueste Opel-Technologie. Gut für den Geldbeutel: im Insignia gehört vieles bereits zur Serienausstattung, für das man bei anderen deutschen Herstellern extra bezahlen muss.
Unser Testfahrzeug war ein Insignia 2,0 CDTI ECOTEC mit 160 PS (118 kW) und 6-Stufen Automatik, mit dem wir angenehme flott unterwegs waren. Der Motor ist erfreulich laufruhig und wirkt auch bei höheren Geschwindigkeiten kultiviert. Das Fahrwerk straff aber doch komfortabel ausgelegt. Drückt man den „Sport”-Knopf - unser Probefahrzeug war natürlich mit dem Flex-Ride-Fahrwerk ausgestattet – wird der Insignia noch ein gutes Stück straffer und bissiger. Der Tour-Modus ist für bequemes Fahren auf längeren Strecken ausgelegt. Das Fahrzeug erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 218 km/h und beschleunigt in 9,5 Sekunden von 0 auf 100. Der Benzinverbrauch liegt nach Werksangabe im Durchschnitt bei 5,5 l/100 km.Den 2-Liter Dieselmotor, gibt es auch mit Schaltgetriebe, mit 110 PS und 130 PS. Der kleinste Benziner hat einen 1,6 Liter-Motor mit 115 PS, der stärkste Benziner ein 2,8-Liter Turbo mit 260 PS. Den kleinsten Benziner (115 PS) bekommt man ab 23.100,- €, den kleinsten Diesel (110 PS) ab 24.700,- €. Möchten man 260 Pferdestärken unter der Motorhaube haben, muss man mindestens 40.030,- € investieren.
Fazit:
Nach unserer Testfahrt konnten wir nur bestätigen, dass Opel mit dem Insignia ein sehr gutes Mittelklassefahrzeug auf den Markt gebracht hat, dass in einigen Bereichen bereits Oberklassestandards aufweist. Design, Fahrleistung und Preis-Leistungsverhältnis haben uns überzeugt. Bei der Limousine stört nur das relativ geringe Platzangebot im Fond und die eingeschränkte Übersicht nach hinten.
Der Insignia hat auch die Jurys diverser deutscher und internationaler Autozeitschriften überzeugt, die das neue Opel-Flaggschiff in den ersten beiden Jahren seiner Existenz mit Preisen überschüttet haben, Unter anderem wurden der Red Dot Design Award 2009 und ein zweiter Platz im ADAC-Mitgliederpreis Gelber Engel 2009 verliehen.